Im Januar habe ich TinyD6 vorgestellt. Ich kam zum Fazit, dass es sich sehr nach einem Brettspiel anfühlt und mich nicht so abholt. Dabei mag ich es gerne, wenn auch nur als Alternative zu einem Karten- oder Brettspiel. Ein großer Schwachpunkt aus meiner Sicht war die fehlende Charakterentwicklung in Werten. Aber hier geht es nicht um TinyD6.
Barbarians of Lemuria hat eine gewisse Ähnlichkeit mit TinyD6 hat, vieles aber besser macht.
Kurzer Editionsüberblick
BoL kam 2004 als kleines, kostenloses PDF mit 43 Seiten raus. Danach folgten die 1. und die 2. Edition. Letztere hat wiederum aktuell zwei Überarbeitungen erfahren.
Die 1. Edition erschien 2008 bei Beyond Belief Games.
Die Legendary Edition ist dabei die 2. Edition, die im Jahr 2009 bei Cubicle 7 erschien. Auf Deutsch hat Ulisses das System vertrieben.
2015 erschien dann die erste Überarbeitung als Mythic Edition bei Filigree Forge beziehungsweise Truant auf Deutsch. Neun Jahre später, 2024, erschien die Mythic+ Edition als weitere Überarbeitung bei Ludospherik. Die deutsche Lizenz wurde nicht verlängert.
Simon Washbourne ist der Autor des Systems.
Das Setting
Lemuria ist eine Low-Fantasy-Welt und bedient das Sword and Sorcery Genre. Auf den 195 Seiten des Buches wird das Setting mit genug Fluff skizziert. Wobei: Gibt es jemals genug Fluff? Ja und nein: Wenn man detaillierte Beschreibungen wie bei Pathfinder erwartet, nein; wenn man nur Inspirationen wünscht, ist an vieles gedacht.
Daneben ist das Regelwerk sehr robust und man kann leicht andere Settings bespielen. Es gibt einige Fanmades, und wenn man etwas Arbeit reinsteckt, kann man auch ein spezielles eigenes bauen. Dabei sollte man immer an einen gewissen Pulpfaktor denken, der in den Mechaniken drinsteckt.
Der Charakter
Der Charakter ist mitnichten immer ein starker, kämpfender Barbar. Er kann ebenso ein intelligenter, kämpfender Arzt oder ein geschickter, kämpfender Tänzer sein.
In BoL gibt es Laufbahnen. Sie spiegeln die Geschichte des Charakters wider. Anfangs muss man vier wählen, im Laufe der Zeit kann man zusätzliche Laufbahnen einschlagen. Jede Laufbahn kann man verbessern. 0 in einer Laufbahn bedeutet: Man hat Grundkenntnisse; bei 5 ist man eine Legende – Krongar, der Besieger aller Spielleiter.
Zusätzlich dazu gibt es noch Gaben und Schwächen, also Vor- und Nachteile. Diese können einen Vorteil in Zahlen geben: Akademiker – addiere +1 auf dein Attribut Verstand. Oder sie können eher spielerisch ausgestaltet sein: Arrogant – du hast einen Nachteil, wenn du mit Ausländern oder Leuten aus der Provinz redest.
Alles zusammen hilft sehr gut, einen netten Charakterhintergrund zu erschaffen:
Uwos wuchs als Barbar in seinem kleinen Stamm auf. Durch Verrat wurden sie von einem gegnerischen Stamm besiegt und versklavt. Uwos gelang die Flucht. Als Dieb überlebte er die anschließende Zeit, bis er erfuhr, wer den Verrat begangen hatte. Er schwor Rache. Nun trainiert er jeden Tag in der Arena, um sich auf den Tag der Abrechnung vorzubereiten.
Laufbahnen: Barbar (2) – Sklave (0) – Dieb (1) – Gladiator (1)
Uwos hat viel hinter sich und ist Hart im Nehmen (Gabe/Vorteil). Dies gewährt ihm 2 zusätzliche Lebenspunkte.
Daneben gibt es noch vier Attribute und vier Kampffertigkeiten:
| Attribut | Wert | Kampffertigkeit | Wert |
|---|---|---|---|
| Stärke | 2 | Initiative | 2 |
| Geschick | 2 | Nahkampf | 1 |
| Verstand | 0 | Fernkampf | 0 |
| Auftreten | 0 | Verteidigung | 1 |
Die Mechanik
Der Grundwurf ist dabei 2W6 + Attribut + Rang der Laufbahn beziehungsweise Wert in der Kampffertigkeit.
Hinzu kommen etwaige Modifikatoren, wie eine Gabe oder Schwäche, sowie Schwierigkeitsgrade, wenn vorhanden.
Im Prinzip ist es das. Dadurch, dass man durch Erfahrungspunkte Attribute, Kampffertigkeiten und Laufbahnen steigern kann, gibt es mir etwas mehr von der Charakterentwicklung in Zahlen, die ich sehr gerne mag. Zudem trägt der Erwerb neuer Laufbahnen auch zur erzählerischen Charakterentwicklung bei.
Der Kampf
Eine Sache, die ich noch erwähnen sollte: Alle Waffen machen den gleichen Schaden, nämlich 1W6. Je nachdem, ob es eine größere oder kleinere Waffe ist, hat sie Vorteil oder Nachteil. Das heißt, man würfelt 2W6 und nimmt entweder das bessere oder das schlechtere Ergebnis.
Heldenpunkte, mit denen man unter anderem auch den Schaden erhöhen kann, können dazu führen, dass man ganze Horden von Gegnern einfach wegmoscht. Ein besonderer Punkt in diesem Spiel :).
Fazit
Barbarians of Lemuria ist ein sehr leichtes System, das zusätzlich viele Optionen bietet. Das Buch umfasst knapp 200 Seiten, auf denen auch ein erheblicher Teil Settingbeschreibung untergebracht ist.
Insgesamt mag ich es sehr gerne und es löst TinyD6 für mich als kurzweiliges und leichtes Regelsystem für zwischendurch ab. Zugegebenermaßen ist das Setting speziell, denn pulpige Low Fantasy ist nichts für jedermann. Auch wenn man hier sicherlich Barbarians in Space spielen könnte, müsste man sich selber Gedanken machen. TinyD6 bringt da schon etwas mehr mit.
Leider gibt es derzeit keine deutsche Ausgabe mehr.