Pausen und Unterbrechungen im Hobby

Wie beschreibt man unser Hobby? Es ist vielseitig, abwechslungsreich und irgendwie auch organisiert. Lesen, Stricken oder Briefmarkensammeln sind Beschäftigungen für sich; man kann sich die Zeit frei einteilen und spontan sein. Beim Pen&Paper ist man nicht so frei. Man betreibt das Hobby mit anderen, und der soziale Aspekt macht einen großen Teil des Reizes aus.

Im Moment ist der organisatorische Aspekt für mich das größte Hindernis.

Warum man diese Pausen macht oder machen muss, sei jetzt unwichtig. Jeder kann solche Umstände nachvollziehen. Was sind aber wirkliche Alternativen, wenn es denn welche gibt?

Es ist nicht wie der Sprung von Tischrunden hin zu PC und Headset; das ist eine Erleichterung in mancherlei Hinsicht, aber der Kern der Sache bleibt gleich. Vielleicht ist ein Beispiel aus einem anderen Hobby für Außenstehende greifbarer: Der Wechsel von Tischrunden zu Online-Runden ist wie der Wechsel von Rasenfußball zu Hallenfußball – anders, aber im immer noch dasselbe Spiel. Kann man im Pen&Paper nicht mehr an Runden teilnehmen, verändert sich das Hobby bzw. wird zu einer ganz anderen Sportart, wenn ich bei dem Vergleich mit dem Fußball bleibe.

Eine Alternative ist dabei gar nicht so leicht zu finden. Ich lasse hier einmal Brett- und Kartenspiele, die man solo spielen kann, außen vor. Was ist also ein wirklicher Ersatz für Pen&Paper, den man zeit- und mitspielerunabhängig spielen kann?

Zeitabhängig mit mindestens einer weiteren Person

Briefrollenspiele sind wohl eher unbekannt. Eines, das mir schon ziemlich lange immer mal wieder begegnet, ist De Profundis von Michal Oracz. Zuerst habe ich davon im alten Cthulhu-Forum gelesen, und das lässt auch die Ausrichtung des Inhalts richtig vermuten. Es geht um psychologischen Horror; selbst wird es als Psychodrama beschrieben. Ich habe ein paar Mal versucht, eine Runde zu starten, allerdings sind sie immer wieder im Sande verlaufen. Wie ich von anderen mitbekommen habe, ist das die Regel als die Ausnahme.

Schuld daran mag die erste Edition gewesen sein, die lediglich Briefe von Michal Oracz abgedruckt hat. Darin liest man vom geistigen Verfall des Autors bzw. seines Alter Egos. Es werden keinerlei Regeln vermittelt, und auch die Antwortschreiben fehlen. Somit wirkt es, als schreibe man eine Geschichte ohne Interaktion, was für ein gemeinsames Spiel für einen der Beteiligten wahrscheinlich langweilig sein dürfte.

Die zweite Edition ist wesentlich zugänglicher und beschreibt stärker den Charakter des Spiels. In allen Fällen ist aber die Authentizität wichtig; ein großer Pluspunkt ist hier ein wesentlich intensiveres Gefühl des Cthuloiden.

De Profundis ist sicher Geschmackssache. Allerdings gibt es – oder besser gesagt gab es – einige Play-by-Post-Spiele; diese sind, wie auch Forenspiele, nicht mehr so häufig anzutreffen.

Rollenspiel ganz für dich

Ähnlich alt sind Spielbücher. Bekannter ist dabei sicher die Lone Wolf– bzw. Einsamer Wolf-Reihe. Es gibt viele dieser Bücher in unterschiedlichen Ausprägungen. Aktuell lese bzw. spiele ich die Choose Cthulhu-Reihe. Das Prinzip ist dabei einfach: Man liest einen Abschnitt, trifft dann eine Entscheidung und geht entweder zu Seite X oder Y, manchmal auch Z.

Etwas mehr rollenspielerisch sind Solo-Modi bestimmter Pen&Paper-Systeme. Der Eine Ring hat mit dem Streicher-Modus von Haus aus einen Einzelspielermodus, Cthulhu liefert einige Soloszenarien, und für andere bekannte Systeme gibt es Hacks.

Auch gibt es Systeme, die komplett auf Solospiel ausgelegt sind oder so gespielt werden können, wie beispielsweise Ironsworn.

Tagebuchspiele

Ich finde es ehrlich gesagt charmanter, ein Spielbuch zu lesen, als ein Tagebuch zu führen. Und das ist sicher eine zentrale Frage: Lese ich etwas und treffe selbst eine Entscheidung oder arbeite ich mich durch eine Geschichte mit Zufallsgeneratoren? Und genau das ist es: Für mich wäre das Arbeit bzw. Zeit, die ich nicht immer habe. Das muss jeder für sich entscheiden – auch, wie weit man selbst kreativ sein möchte.

Im Gegensatz zu Pen&Paper mit Solo-Modi gibt es dann auch Tagebuchspiele oder Journaling Games. Dabei schreibt man eine Geschichte. Im besten Fall hat das Spiel einige Vorgaben. Bei mir liegen zwei Bücher vor, die ich auch demnächst in Angriff nehmen möchte: Don’t Play This Game und Thousand Year Old Vampire. Im Prinzip geht es darum, zu bestimmten Umständen etwas zu schreiben; daraus ergibt sich dann ein Bild in Schriftform. Man schreibt keinen eigenen Roman, sondern hangelt sich durch das Buch und dessen Regeln. Es ist ein kreativer Prozess, dem man auch nur wenige Minuten am Tag widmen kann.

Tatsächlich ist es aber zumindest sehr weit von dem entfernt, was für mich Pen&Paper ausmacht. Trotzdem muss es nicht weniger Spaß machen. Zumindest rede ich mir das mal ein :) .